Vocals überall aufnehmen: So optimierst du die Raumakustik fürs Vocal Recording

Niedriges Rauschen, kein hörbares Raumecho – um qualitativ hochwertige Vocal Recordings zu erzielen, müssen viele technische und akustische Dinge passen. Das kann schwierig sein, wenn man Gesang in nicht idealen Umgebungen aufnimmt, sei es im Proberaum der eigenen Band oder im Schlafzimmer des Sängers. Doch zum Glück gibt es einige Dinge, die man tun kann, um die Klangqualität der Vocal Tracks zu maximieren, auch wenn man sich nicht in einem professionellen Recording Studio befindet.

Akustische Kriterien

Definieren wir zunächst die wichtigsten Kriterien, die ein guter Aufnahmeraum für Gesang erfüllen sollte:

Kein Echo: Das ist wohl das offensichtlichste – schließlich wollen wir nicht, dass der Schall buchstäblich zwischen den Wänden hin und her springt (“Flatterecho”).

Kurze Nachhallzeit: Für maximale Flexibilität bei der späteren Bearbeitung der Tracks brauchen wir einen sehr trockenen Klang, daher sollte der Raumhall so kurz wie möglich sein, etwa 0,2 bis 0,3 Sekunden.

Niedriger Geräuschpegel: Kein Rauschen von Lüftern, kein Brummen von elektrischen Geräten, kein Umgebungs-/Straßenlärm von draußen, kein Rumpeln von Klimaanlagen

Hohe Diffusität: Die Reflexionen im Raum sollten möglichst in viele Richtungen gestreut werden. Das bedeutet, dass keine großen und flachen Reflexionsflächen erwünscht sind, sondern eher kleine Flächen mit vielen verschiedenen Winkeln. Viele Objekte im Raum sind daher besser als ein leerer Raum mit leeren Wänden.

Die Wahl des richtigen Raums

Obwohl es offensichtlich scheinen mag, wird dieser Schritt oft vernachlässigt: Jetzt, da wir wissen, welche Anforderungen wir an unseren Aufnahmeraum stellen, sollten wir den Raum auswählen, der alle oben genannten Kriterien am besten erfüllt. Weitere Punkte, auf die man achten sollte:

  • Kann man im Raum Akustik-Panels oder anderes Absorptionsmaterial an den Wänden anbringen?
  • Lässt sich neben dem Gesangsmikrofon auch das Recording-Equipment (Computer/Laptop, Interface, Monitore usw.) bequem im Raum aufbauen?
  • Lässt der Raum einen gewissen Abstand zwischen dem Recording-Equipment und dem Mikrofon zu (am besten ein paar Meter entfernt am anderen Ende des Raums)?
  • Fühlt sich der/die Sänger/in in dem Raum wohl? Fühlt er/sie sich inspiriert, Musik zu machen, oder lässt der Raum/die Location/die Umgebung ihn/sie vorsichtig sein und sich zurückhalten?

Verbersserung der Raumakustik

Sobald der Raum für das Recording feststeht, sollte man sicherstellen, dass er optimal genutzt wird. Dafür stehen mehrere Mittel zur Verfügung. Fangen wir mit den effektivsten und effizientesten an und arbeiten uns dann durch alle Optionen, die in den meisten Fällen eine praktikable Lösung sind.

  • Absorption von Flatterechos an mindestens einer von zwei gegenüberliegenden Wänden (einschließlich Boden/Decke). Dazu ist es nicht nötig, eine ganze Wand abzudecken, sondern nur darauf zu achten, dass es keine direkt gegenüberliegenden reflektierenden Flächen gibt.
  • Bau einer provisorischen “Gesangskabine” in einer Ecke des Raums durch Absorption. Ideal ist eine Ecke, an der sich nicht direkt ein Fenster befindet und an der Schallabsorber an den Wänden angebracht werden können.
  • Wenn der Raum groß ist und immer noch merklich nachhallt, kann man versuchen, die Nachhallzeit zu verkürzen, indem man mehr Absorptionsmaterial im Raum anbringt, vorzugsweise gleichmäßig verteilt auf die größten reflektierenden Flächen (Wände/Boden).
  • Nicht geeignet: Eierkartons, dünner Schaumstoff (< 5cm)
  • Empfohlen: Basotect oder ein anderer Akustikschaumstoff mit einer Dicke von 10cm
  • Echos zwischen Boden und Decke können mit dicken Teppichen (oder Decken, falls nicht vorhanden) eliminiert werden.
  • Wenn Akustikschaumstoff eine zu “dauerhafte” Maßnahme ist, kann man auch provisorische Absorber anfertigen: Matratze(n), Decken, die gefaltet und an die Arme von Mikrofonstativen gehängt werden, Kissen…
  • Diffusion: Wenn der Raum zwar über ordentliche Absorption an den Wänden verfügt, aber immer noch etwas Nachhall zu hören und keine weitere Absorption möglich ist, kann man versuchen, weitere Objekte wie z. B. Bücherregale in ungenutzte Leerräume des Raums zu stellen. Sie streuen die Reflexionen und helfen, diese schneller zu absorbieren.

Arbeiten "mit" dem Raum

In diesem Teil geht es darum, die Gegebenheiten in Ihrem Raum zum eigenen Vorteil zu nutzen, sobald alles fertig eingerichtet ist:

  • Richte das Mikrofon in die “Gesangskabinen”-Ecke, während du die Off-Axis des Mikrofons (bei Nierenmikrofonen ist das die Rückseite) auf den Rest des Raums ausrichtest – insbesondere in Richtung jeglicher Geräuschquellen (Computerlüfter usw.) Dadurch werden der “Raumklang” und unerwünschte Geräusche in der Aufnahme minimiert. Grund dafür ist, dass die empfindliche Seite des Mikrofons den leisesten, am besten behandelten Bereich des Raums “hört”, während unerwünschte Signale auf die unempfindlichste Seite (Off-Axis) treffen.
  • Wenn nötig, stelle große Objekte um, um dort Platz zu schaffen, wo er gebraucht wird, und gleichzeitig den Schall an anderen, ungenutzten Stellen zu streuen.

Do's und Don'ts

Do: Versuche, möglichst viele der oben genannten Punkte zu erfüllen. Wenn du Kompromisse eingehen musst, versuche, mit den unwichtigsten Punkten zu beginnen. Bei der Wahl der Prioritäten solltest du dennoch versuchen, deine Maßnahmen auf alle oben genannten Kriterien abzustimmen. Ziel ist ein ausgewogenes Klangbild, auch wenn es nicht perfekt gelingen sollte..

Don’t: Keine Aufnahmen im Schrank! Das klingt in fast allen Fällen dumpf und matschig. Versuche nicht, alle Aufmerksamkeit auf einen bestimmten Aspekt der Akustik zu richten (z. B. einen trocken klingenden Raum), während andere Aspekte unberücksichtigt bleiben (z. B. viel Lärm im Raum).

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Raphael Arnold

Audio Engineer | Producer

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